Wie hilft Kompression nach einer Operation?
Das Wohlbefinden des Patienten steht in der ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie an erster Stelle. Als Arzt oder Pflegekraft möchten Sie stets die bestmögliche Behandlung gewährleisten. Durch die Anwendung von Kompressionskleidung nach dem Eingriff wird Druck auf das Operationsgebiet ausgeübt, was zu einem besseren Ergebnis beiträgt. Die Kompression kann in Form eines Stützgürtels, BHs, Kompressionsmieders oder Verbands erfolgen.
Zusätzlich zu Unterstützung und Stabilität hilft die Kompression, den Rückfluss von Flüssigkeit aus dem Gewebe zurück in den Kreislauf zu verbessern. Dies trägt zu einer besseren Heilung und einem geringeren Risiko für Schwellungen und Komplikationen bei, was wiederum zu einer komfortableren und effektiveren Genesung führt. Kompression ist daher ein sehr wichtiger Bestandteil des Rehabilitationsprozesses.
Flüssigkeitsansammlung und Schwellung
Eine Operation kann zu Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen im operierten Bereich führen. Dies gilt insbesondere für Eingriffe, die Schnitte im Gewebe oder Manipulationen an Blut- und Lymphgefäßen beinhalten. Was passiert, wenn sauerstoffreiches Blut auf der arteriellen Seite in die Kapillaren eintritt, lässt sich mit dem Starling-Gesetz erklären, das den Flüssigkeitsaustausch über die Kapillarwände beschreibt.
Ein gefäßreiches Medium mit viel Flüssigkeit erzeugt einen Druck gegen die Kapillarwand. Da sich außerhalb des Blutgefäßes weniger Flüssigkeit befindet, drückt dieser Druck die Flüssigkeit nach außen, um ein Gleichgewicht zu erreichen. Dieser wird als hydrostatischer Druck (Pc) bezeichnet und fördert die Filtration. Wenn die Flüssigkeit aus dem Blutgefäß herausgedrückt wird, sinkt dieser Druck, während der Druck von außen auf das Gefäß zunimmt. Dieser Druck wird als interstitieller hydrostatischer Druck (Pi) bezeichnet und führt dazu, dass die Flüssigkeit zurück in das Blutgefäß strömt und reabsorbiert wird.

Zusätzlich zu diesen beiden Druckarten gibt es den kolloidosmotischen Druck (πc). Dieser wird von großen Proteinen wie Albumin und Haptoglobin ausgeübt und ist stets im Blut vorhanden. Sie ziehen Flüssigkeit zurück in die Blutgefäße und tragen so zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts bei. Nach einer Operation kann dieser Druck infolge von Blutverlust abnehmen, wodurch das Blut verdünnt wird. Das Blut enthält dann weniger dieser Proteine, und die Flüssigkeit wird nicht so effektiv aus dem Gewebe zurückgeführt. Wenn zudem die Durchlässigkeit der Kapillarwand zunimmt, was häufig bei umliegenden geschädigten Geweben vorkommt, kann dies zu Flüssigkeitsansammlungen und Ödemen führen.
Erhöhter Rückfluss durch Kompression
Durch das Anlegen einer externen Kompression entsteht ein sogenannter mechanischer Druck. Dieser erhöht den Druck auf die Blutgefäße und beeinflusst den Flüssigkeitsfluss in den venösen Gefäßen. Dadurch wird der venöse Rückfluss und die lymphatische Drainage verbessert. Der Druck begünstigt außerdem die Aufnahme von Flüssigkeit in die Lymphgefäße. Das Risiko, dass sich überschüssige Flüssigkeit im operierten Bereich ansammelt, wird durch das Zusammendrücken von Blut- und Lymphgefäßen reduziert.
Die Kompression führt somit zu einem erhöhten Flüssigkeitsrückfluss, was zu weniger Flüssigkeit im Gewebe und geringerer Schwellung beiträgt. Der Abtransport von Stoffwechselabbauprodukten und Kohlendioxid wird effizienter, was den Heilungsprozess fördert und das Risiko von beispielsweise Infektionen und Gewebenekrosen verringert. Die Unterstützung des operierten Bereichs reduziert zudem die Belastung des geschädigten Gewebes. Dies trägt zu weniger Schmerzen und besserer Beweglichkeit während der Genesung bei. Eine bessere Beweglichkeit reduziert außerdem das Risiko von Blutgerinnseln nach einer Operation, und somit trägt die Kompression dazu bei, Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen zu verringern. Es ist jedoch wichtig, die Kompression korrekt und unter Aufsicht medizinischen Fachpersonals anzuwenden. Eine zu starke Kompression könnte beispielsweise den Blutfluss in oberflächlichen Gefäßen einschränken und theoretisch zu Nekrosen führen.
Zusammenfassend trägt die Kompression dazu bei:
• Schwellungen und Ödeme zu reduzieren, da überschüssige Flüssigkeit abgeleitet wird.
• Die Durchblutung zu verbessern, indem der Blutfluss zum und vom operierten Bereich erleichtert wird.
• Den Geweben im operierten Bereich Unterstützung und Stabilität zu geben.
• Das Risiko von Blutgerinnseln zu reduzieren, indem der venöse Rückfluss verbessert und ein venöser Stau vermindert wird.
• Die Wundheilung durch verminderte Schwellung zu fördern.

